Warum fallen uns linke Maschen eigentlich so schwer?

Linke Mschen, man sieht hier ein Strickstück mit linken Maschen.

Vor Kurzem sagte meine Freundin Caro zu mir:

„Ich kann immer noch nur häkeln statt stricken. Die linken Maschen sind so blöd.“

Ich musste sofort schmunzeln.

Nicht, weil ich ihr widersprochen hätte.

Sondern weil sie damit etwas ausgesprochen hat, was viele Menschen denken, die mit dem Stricken anfangen.

Tatsächlich habe ich diesen Satz – oder zumindest etwas ganz Ähnliches – in den letzten Jahren schon unzählige Male gehört.

Mal im Lädchen.

Mal bei einem Handarbeitstreffen.

Mal in einem Kurs.

Und immer wieder stellt sich die gleiche Frage:

Warum fallen die linken Maschen eigentlich so vielen schwer?

Dabei wirken sie auf den ersten Blick gar nicht besonders kompliziert.

Schließlich besteht Stricken doch im wesentlichen aus rechten und linken Maschen.

In der Praxis sieht das allerdings oft anders aus.

Wer mit dem Stricken beginnt, lernt meistens zuerst die rechten Maschen. Viele einfache Projekte kommen anfangs sogar komplett ohne linke Maschen aus. Die Bewegungen werden vertraut, die Hände gewöhnen sich daran und irgendwann läuft es fast wie von selbst.

Dann kommen die linken Maschen.

Plötzlich fühlt sich alles anders an.

Der Faden läuft anders.

Die Hände bewegen sich anders.

Die Maschen sehen anders aus.

Und was eben noch selbstverständlich erschien, fühlt sich auf einmal ungewohnt und umständlich an.

Das kann frustrierend sein.

Vor allem dann, wenn Du Dir denkst:

„Die rechte Masche klappt doch inzwischen. Warum funktioniert das jetzt nicht genauso?“

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach:

Weil die linke Masche ein anderer Bewegungsablauf ist.

Unsere Hände müssen etwas Neues lernen.

Und Lernen braucht Zeit.

Was dabei oft vergessen wird:

Stricken ist kein Talent, mit dem man geboren wird.

Niemand setzt sich zum ersten Mal mit zwei Stricknadeln hin und beherrscht sofort jede Technik.

Jede Strickerin hat irgendwann ihre erste rechte Masche gestrickt.

Ihre erste linke Masche.

Ihre ersten verschränkten Maschen.

Und vermutlich auch ihre ersten Fehler.

Trotzdem vergleichen wir uns gerne mit Menschen, die schon viele Jahre stricken.

Gerade in den sozialen Medien sieht man wunderschöne Projekte, perfekte Maschenbilder und scheinbar mühelose Ergebnisse.

Was man nicht sieht, sind die Stunden des Übens.

Die aufgeribbelten Reihen.

Die Fehler.

Und die Momente, in denen jemand dachte:

„Warum klappt das bei allen anderen und bei mir nicht?“

Dabei geht es fast jeder Strickerin irgendwann so.

Für die eine sind es die linken Maschen.

Für die andere das Nadelspiel.

Wieder jemand anderes kämpft mit Zöpfen, Lochmustern oder der Maschenprobe.

Das gehört dazu.

Nicht, weil wir etwas falsch machen.

Sondern weil wir etwas Neues lernen.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke:

Wenn Du heute sagst:

„Ich kann das nicht.“

Dann fehlt oft nur ein einziges Wort.

„Ich kann das noch nicht.“

Und das ist ein großer Unterschied.

Denn zwischen diesen beiden Sätzen liegt Übung.

Geduld.

Erfahrung.

Und manchmal einfach die Bereitschaft, es noch einmal zu versuchen.

Deshalb möchte ich Dir heute einfach Mut machen.

Wenn Dir die linken Maschen schwerfallen, bist Du damit nicht allein.

Das bedeutet nicht, dass Stricken nichts für Dich ist.

Es bedeutet lediglich, dass Du gerade an einer Stelle angekommen bist, die etwas mehr Übung braucht.

Und das ist völlig in Ordnung.

Vielleicht findet Caro ja doch noch Freundschaft mit den linken Maschen.

Falls nicht, darf sie natürlich weiterhin häkeln. 😉

Denn am Ende geht es bei unserem Hobby nicht darum, alles perfekt zu können.

Es geht um die Freude an dem, was unter unseren Händen entsteht.

Und die kann man mit Stricknadeln genauso erleben wie mit einer Häkelnadel.


Hast Du Fragen zu diesem Thema oder zu Deinem nächsten Projekt? Sprich mich gerne an – ich freue mich auf den Austausch.

Schön, dass Du hier bist.

❤ Bianca