Eine Maschenprobe fühlt sich manchmal wie ein Umweg an. In Wirklichkeit ist sie oft die Abkürzung.
Es gibt Themen in der Strickwelt, die ungefähr so beliebt sind wie das Vernähen von Fäden.
Die Maschenprobe gehört oft dazu.
Viele möchten lieber direkt mit dem eigentlichen Projekt beginnen. Schließlich wartet da ein schöner Pullover, eine Jacke oder ein Tuch auf den Nadeln. Die Maschenprobe wirkt dagegen wie ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der Zeit kostet und vom eigentlichen Strickspaß abhält.
Und ganz ehrlich?
Ich kann diesen Gedanken sogar verstehen.
Wenn man sich auf ein neues Projekt freut, möchte man am liebsten sofort loslegen.
Genau deshalb höre ich immer wieder Sätze wie:
„Das wird schon passen.“
oder
„Bisher hat es auch ohne Maschenprobe funktioniert.“
Und manchmal stimmt das sogar.
Manchmal.
Doch leider nicht immer.
Jeder Mensch strickt anders. Manche stricken eher locker, andere eher fest. Deshalb kann dieselbe Anleitung mit derselben Wolle bei zwei Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Genau dafür gibt es die Maschenprobe.
Sie zeigt, ob die eigene Strickweise zu den Angaben in der Anleitung passt. Denn am Ende möchtest Du nicht nur ein schönes Strickstück auf den Nadeln haben. Du möchtest auch, dass es passt.
Ein weiterer Irrtum begegnet mir dabei immer wieder.
Viele verlassen sich auf die Angaben der Banderole.
Dort findest Du Angaben zur empfohlenen Nadelstärke und oft auch eine Maschenprobe. Diese Werte sind wichtig und helfen bei der Orientierung. Sie ersetzen jedoch keine eigene Maschenprobe.
Denn die Angaben auf der Banderole entstehen unter bestimmten Bedingungen und mit einer bestimmten Strickweise.
Du strickst aber nicht wie die Person, die diese Werte ermittelt hat.
Vielleicht arbeitest Du lockerer. Vielleicht fester. Vielleicht verwendest Du andere Nadeln oder eine andere Technik.
Genau deshalb kann dieselbe Wolle bei zwei Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Die Banderole liefert einen Anhaltspunkt.
Die eigene Maschenprobe liefert die Antwort.
Eine Maschenprobe kostet vielleicht eine halbe Stunde.
Ein Pullover oft viele Wochen oder sogar mehrere Monate. Ich brauche auch so meine Zeit.... 😅
Genau deshalb ist dieser kleine Zwischenschritt so wichtig.
Eine halbe Stunde für die Maschenprobe kann viele Stunden Frust ersparen.
Besonders bei Kleidungsstücken.
Denn nichts ist ärgerlicher, als wenn ein fertiger Pullover plötzlich zu groß, zu klein, zu kurz oder zu weit wird oder das gewählte Garn einfach nicht zum Projekt passt.
Nicht weil die Anleitung falsch war.
Nicht weil die Wolle ungeeignet war.
Sondern weil die Maschenprobe übersprungen wurde.
Dabei geht es übrigens nicht nur um die Anzahl der Maschen.
Auch das Baden der Maschenprobe ist ein wichtiger Bestandteil.
Viele Garne verändern sich nach dem ersten Bad. Manche werden etwas lockerer, manche wachsen leicht und andere entwickeln erst nach dem Waschen ihr endgültiges Maschenbild.
Deshalb gehört das Baden für mich ganz selbstverständlich zur Maschenprobe dazu.
Eine nicht gebadete Maschenprobe ist eigentlich nur die halbe Wahrheit.
Erst nach dem Baden zeigt sich, wie sich das Garn tatsächlich verhält und wie sich das fertige Projekt später entwickeln wird.
Natürlich gibt es Projekte, bei denen ein Zentimeter mehr oder weniger kaum eine Rolle spielt. Ein Schal wird dadurch nicht untragbar.
Bei einem Pullover, einer Jacke oder einem Pullunder sieht das oft ganz anders aus.
Dort entscheidet die Passform darüber, ob ein Projekt gerne getragen wird oder im Schrank verschwindet.
Deshalb betrachte ich die Maschenprobe nicht als lästige Pflicht.
Für mich ist sie der erste Schritt zum eigentlichen Projekt.
Oder anders gesagt:
Eine Maschenprobe fühlt sich manchmal wie ein Umweg an.
In Wirklichkeit ist sie oft die Abkürzung.
Hast Du Fragen zu diesem Thema oder zu Deinem nächsten Projekt? Sprich mich gerne an – ich freue mich auf den Austausch.
Schön, dass Du hier bist.
❤ Bianca